Auf der Passage zwischen Madagaskar und Südafrika sowie um das Kap der guten Hoffnung muss man das Wetter immer sehr genau im Auge behalten. So wussten alle Segelyachten, dass sich etwas im Süden zusammenbraute. Im Moment sind viele Boote unterwegs nach Südafrika und die meisten treffen sich über Funk zwei Mal am Tag um ihre Position und Wetter durchzugeben. So weiß man wenn sich mal jemand in Schwierigkeiten befindet und kann gegebenenfalls gleich helfen.
An den Tagen vor dem Sturm kamen also viele Segler in Richards Bay an, meist erschöpft und froh einen sicheren Hafen erreicht zu haben. Es gibt hier zwei Möglichkeiten zu bleiben, zum einen den Zululand Yachtclub und zum anderen die Tuzi Gazi Marina. Der Zululand Yachtclub war in der Zwischenzeit schon überbelegt und so mussten die restlichen Boote in der Tuzi Gazi Marina einen Platz finden. Bei unserer Ankunft war das Marinamanagement noch bemüht, den ankommenden Boote nach Größe und Gewicht der Stabilität der Stege angemessene Liegeplätze zuzuweisen. Als aber immer mehr und mehr kamen haben sie offensichtlich aufgegeben und sind nach hause gegangen - jeder suchte sich einen Platz, auch große schwere Yachten an Plätzen, die zuvor bewusst leer gelassen wurden. Die Schwimmstege sind leider in einem nicht sehr guten Zustand und fühlen sich recht wackelig an. Einzelne Bretter verschieben sich beim drübergehen und ohne Schuhe gibt's schnell Quetschwunden an den Zehen.
Unser Boot ist ein relativ schwerer und großer Katamaran, also bekamen wir einen Platz am Ende des zweiten Stegs zugewiesen, der unser Boot vor Schäden bewahrt hat. Nachdem wir schon im Vorfeld vom schlechten Zustand dieser Stege erfahren hatten, beschlossen wir und unsere drei Nachbarboote unsere Anker auszubringen, um den Steg zu stabilisieren und den Druck durch den Wind zu verringern. Am Ende des Stegs befand sich noch eine weitere schwehre Salon-Kielyacht deren Eigner nicht da war, daher brachten wir auch deren Anker aus. Die Bedingungen am offenen Ozean waren mittlerweile durch den starken Nordwind schon recht stürmisch. Am Nachmittag begann das Barometer dann ins unendliche zu fallen und erreichte einen Tiefstand von 995,5 mbar bevor es ziemlich schnell wieder zu steigen begann. Stundenlang war nicht das leiseste Lüftchen zu spüren und es war eigenartig ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Das letzte Segelboot erreichte die Marina gegen 1 Uhr Nachts und um 3 Uhr ging der Wind los. Auf unserem Boot lag der höchste gemessene Wert um die 49 Knoten, die Richards Bay Port Control hat sogar Böen bis zu 71 Knoten!!!!!! gemessen.

Damaged Pontoons at Tuzi Gazi Marina
Damaged Pontoons at Tuzi Gazi Marina
Damaged Pontoons at Tuzi Gazi Marina
Damaged Pontoons at Tuzi Gazi Marina

Auf unserem Steg hielt soweit alles, der andere wurde leider stark demoliert. Durch die Last der vielen Segelboote dürften die Ketten am Ende aus der Verankerung gerissen sein. Dadurch schob sich der Steg um sicherlich 10m zusammen und der Hauptsteg wurde regelrecht aufgefaltet. Die Finger, die die einzelnen Abteile trennen sollen, sind gar nicht verankert und wurden teilweise zwischen die Boote gedrückt, sodass sie kippten und die Boote aufscheuerten bzw. unter die Boote getaucht wurden. Das war nicht schön mit anzusehen und noch am Nachmittag versuchten wir mit Hilfe der Pilot-Boote eine Lösung zum Stabilisieren des Stegs zu finden. Nach ca. 36 Stunden ließ der Wind endlich nach und es konnte ans Aufräumen gedacht werden.
Auch die betroffenen Yachten hatten Glück im Unglück und kamen mit kleineren und größeren Schürfschäden davon. Es hätte auch viel schlimmer sein können!
Mittlerweile schaut der Steg wieder halbwegs normal aus und es gibt wieder Wasser und Strom. Der Steg wurde gestreckt, mit neuen Ketten fixiert und die Finger der Stege werden nach und nach aus dem Wasser geborgen. Durch die Verankerung aller Boote am Ende unseres Stegs konnten wir den Kollaps zumindest bei uns verhindern und haben damit wahrscheinlich sowohl den Steg als auch unsere Boote gerettet.
Es waren einfach zu viele und zu schwere Boote in der Marina, aber mangels Platz blieb ihnen und uns keine andere Möglichkeit. Unsere Anker bleiben weiterhin ausgelegt aber wir hoffen, dass uns ein weiterer Sturm dieser Kategorie erspart bleibt.

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