Auf unserem Weg nach Norden in der Sea of Cortez nutzen wir das ruhige Wetter und machen einen Stopp bei der abgelegensten Insel dieses Meeres. Isla San Pedro Martir liegt genau in der Mitte, 51 km entfernt von der Baja California und 53 km entfernt von Sonora am Festland. Seit 2005 ist die Insel und das Gewässer rundherum eine UNESCO World Heritage Natural Site und ein Schutzgebiet. Wir hoffen, einen besonderen Platz mit vielen Seevögeln zu finden und werden nicht enttäuscht. Am Morgen taucht Isla San Pedro Martir als großer Felsen auf, der uns schon von Ferne weiß entgegen leuchtet. Bald umschwärmen uns unzählige Seevögel, die durch ihr Guano die weiße Farbe der Insel schaffen. Bis in das 20. Jahrhundert wurden hier auf der Insel Guano abgebaut und Eier der Vögel gesammelt.

Als wir näher kommen wird uns klar, dass es hier nicht nur Vögel gibt, sondern auch jede Menge Kalifornischer Seelöwen (Zalophus californianus). Man kann ihre Laute schon von weitem hören und als wir unseren Anker werfen, liefert eine Gruppe von ca. 20 jungen Seelöwen eine äußerst unterhaltsame Willkommensshow. Sie sind sehr neugierig und zeigen uns viele Kunststücke. Später fallen uns vier Fischerboote auf, die in der Strömung im Nordosten der Insel auf Fang aus sind. Nicht mit Netzen sondern nur mit Leinen – hook and line fishing. Das ist weniger zerstörerisch als mit Netzen, liefert hier aber wohl trotzdem einen reichhaltigen Fang. Sofort sind jede Menge Seevögel dabei, die auf Fischreste hoffen.

Das Wasser im Westen, Süden und Osten der Insel sehr grün, vermutlich durch ein Upwelling von Tiefenwasser, dessen Nährstoffe von pflanzlichen Planktonorganismen verwertet werden. Diese vermehren sich explosionsartig und färben so das Wasser grün. Nur im Norden der Insel finden wir klare Sicht und können große Brauntange und steile Felswände unter Wasser erkennen. Die Klippen hier sind auch so steil, dass nur vereinzelt Seelöwen auf dieser Seite der Insel zu finden sind.

Mit dem Dinghy fahren wir um die Insel und entdecken Heermannmöwen (Larus heermanni) und Braune Pelikane (Pelecanus occidentalis californicus), die in großen Gruppen nahe am Wasser sitzen. Weißbauchtölpel (Sula leucogaster) und seit Galapagos zum ersten mal wieder viele Blaufußtölpel (Sula nebouxii) sitzen verstreut auf den Felsen und beobachten uns. Wir vermuten, dass sie hier auch brüten, sehen aber keine Nester. Auf einem Felsvorsprung erkennen wir einige Kormorane (Phalacrocorax auritus). Sogar zwei Kolkraben (Corvus corax) entdecken wir bei unseren Ausflügen. Um die Felsen kreisen Rotschnabel-Tropikvögel (Phaeton aethereus), die vielleicht auf den hohen Klippen nisten und durch helle, laute Schreie auffallen. Vor allem am Abend sehen wir Scharen an Vögeln, die von der Futtersuche auf dem offenem Meer zum Schlafen und Rasten auf die Insel kommen. Ob sie hier auch nisten, können wir nur vermuten. Im Jahre 2007 wurden alle Ratten getötet, um den Seevögeln wieder eine Nistmöglichkeit zu geben. Das Eier Sammeln ist sowieso streng verboten. Beim Trip um die Insel sehen wir auf den steilen Hängen viele Steinmauern, die von Menschen errichtet worden sind. Wir finden heraus, dass sie von den Ureinwohnern der Gegend, den Seri-Indianern, stammen. Sie bauten diese Felsmauern um den Seevögeln mehr Nistplätze zu bieten, und sich selbst das Eier Sammeln zu erleichtern. Nur auf der Nordseite finden wir eine Möglichkeit, an Land zu kommen, die aber durch eine Seelöwen Kolonie versperrt ist. Im Moment beginnt die Paarungssaison und die großen Männchen, die über 2 m groß und 380 kg schwer werden können, sind gerade sehr aggressiv. Angeblich darf man aber die Insel sowieso nicht betreten, obwohl auf dem Schild am kleinen Schotterstrand davon nichts steht. Auf den weniger steilen Hängen der Insel selber wächst außerdem ein dichter Kakteenwald aus der Gattung Cardon.

Am Nachmittag fällt uns eine Wolke von Seevögeln bei einem workup im Osten der Insel auf. Als wir näher kommen sehen wir, dass sie kleine Freiwasserkrebse fangen und fressen. Bei näherer Beobachtung können wir die vielen kleinen Krebse selbst im Wasser entdecken. Es sind Springkrebse der Art Pleuroncodes planipes, die im Freiwasser schwärmen, um sich zu vermehren. In Englisch werden sie „pelagic red crabs“ genannt. Sie werden bis 13 cm lang und sind leuchtend rot-orange gefärbt. Teilweise sitzen jede Menge Heermannsmöwen einfach auf dem Wasser und warten auf die mit der Strömung vorbeitreibenden Krebse, die sie sich dann einfach mit einer schnellen Kopfbewegung aus dem Wasser schnappen.

Die Seelöwen sind auch recht aktiv, da gerade die Fortpflanzungssaison beginnt. Die Weibchen bereiten sich auf die Geburt ihrer Jungen vor und die großen Männchen versuchen ein Territorium zu erobern, um sich mit möglichst vielen Weibchen paaren zu können. Ins Wasser sollte man im Moment also nicht unbedingt gehen, denn die Bullen können sehr aggressiv sein. Man hört sie auch Tag und Nacht laut schreien, um sich gegenüber den Weibchen und anderen Männchen bemerkbar zu machen.

Nach drei Tagen Aufenthalt geht es für uns weiter und wir verabschieden uns von der herrlichen, wenn auch streng riechenden und lauten Kulisse von San Pedro Martir.

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