Also eines ist sicher - ein Boot zu bauen macht wesentlich mehr Spaß, als eines umzubauen. Zumindest am Anfang. Sorgfältig geplante und handwerklich perfekt ausgeführte Einrichtung wird rücksichtslos herausgerissen. Liebevoll angebrachte Kästchen und Leistchen werden mit Hammer und Meißel brutal zertrümmert und zerstört - das tut schon weh. Aber ein Gutes hat das Ganze: Auch wenn unser Boot äußerlich etwas vernachlässigt gewirkt hat und optisch nicht mehr so makellos war, alles was wir jetzt zerlegen und herausoperieren war von der Substanz her in perfektem Zustand, fast wie neu. Nicht das kleinste bisschen verrottetes Holz haben wir bisher gefunden.
Warum also die ganze Zerstörung? Ganz einfach, weil wir mit dem Boot was komplett anderes vorhaben als der Vorbesitzer. Er wollte damit mit seiner Frau die Welt umsegeln (letztendlich ist er dann wohl während des Bootsbaus draufgekommen, dass Thailand auch ganz schön ist und hier hängengeblieben, aber das ist eine andere Geschichte ...). Wir sind nicht so egoistisch, wir wollen das Boot nicht nur für uns alleine. Wir wollen mit möglichst vielen netten Leuten unsere Erlebnisse teilen. Und deswegen brauchen wir vor allem eines - viiiiiele gemütliche Schlafkabinen.

So einfach, wie man sich das vielleicht vorstellen könnte, ist so ein Umbau allerdings nicht. Bei einem Wharram Katamaran ist die Einrichtung nämlich oft Teil der Grundkonstruktion und leistet wesentliche Beiträge zur Gesamtstabilität der Rümpfe. Deshalb sind wir sehr froh, dass die Aktion von Günther Nutt (Seascape Asia) beaufsichtigt und mit geplant wird. Immerhin hat er unsere "Pakia tea" mitentwickelt und gebaut. Unter seiner fachkundigen Anleitung können wir Fehler vermeiden, die möglicherweise später gravierende Folgen hätten. Ein großer Vorteil, auch wenn Günther ab und zu etwas weinen muss, weil wir Teile seiner schönen Handwerksarbeit jetzt wieder vernichten.
Nicht nur das, Günther hat auch die gleiche Crew wieder aufgetrieben, die damals unser Boot gebaut hat - und danach noch weitere Pahi 52 (bzw. 53), Hekate, Astarte und Calagorm. Prasong, unser Vorarbeiter, hatte nach dieser Reihe großer Katamaran-Projekte erstmal genug von juckenden Glasfasern und Epoxy und ist zum Einrichtungs-Tischler geworden. In den letzten sieben Jahren hat er eine Menge wunderschöner Kästen, Stühle und Tische gebaut. Günther hat ihn überzeugt, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und den Umbau zu leiten. Für uns ein großer Glücksfall - diese Leute wissen genau, was sie tun, kennen das Material und die Arbeitsweise mit Epoxy, Glasfasermatten und Sperrholz in- und auswendig. Damit haben wir die Garantie, dass alle Arbeiten professionell und sorgfältigt durchgeführt werden und unser Schiffchen nach weiteren 12 Jahren noch genauso intakt und neuwertig ist wie jetzt.

Wenn der Umbau der Bootsrümpfe und des Brückendecks abgeschlossen ist, wird's erst richtig spannend. Immerhin soll unser Karamaran ja das erste autarke Tauch- und Meeresbioschiff der Welt werden - mit über 15 m2 Fotovoltaikpaneelen, Elektromotoren die auch als Wassergeneratoren dienen usw.
Und auch dafür haben wir die perfekten Partner: Michael Köhler und Heike Patzelt von Solarwave! Bessere Berater auf dem Gebiet der marinen Solar-Autarkie gibt es vermutlich momentan weltweit nicht. Zumindest, wenn das Projekt mit handelsüblichen Bestandteilen auskommen, praxistauglich und effizient sein soll.

Ganz lassen wir es uns aber natürlich nicht nehmen, selbst beim Umbau mitzuarbeiten und damit unser Boot noch besser kennenzulernen. Tom hat die letzte Zeit seine destruktive Ader entdeckt und mit Begeisterung Einrichtungsgegenstände herausgerissen. Jetzt plant er die neuen Elektroinstallationen. Sonja ist für das Innendesign und die Farbgestaltung zuständig. Und unser kleiner Capitanito Keanu passt auf, dass wir keine Fehler machen und trägt für alles die Verantwortung.

Es gibt also heuer leider keine Berichte von spannenden Segeltörns, dafür aber regelmäßig Updates zum Verlauf der Umbauarbeiten. Und zu Weihnachten wartet eine Überaschung für alle, die (mal wieder) gerne mit uns segeln gehen möchten.

project manaia

Krüss Mikroskope